Bairisch g´redt - unsere Sprache, unser höchstes Kulturgut!

Unsere überlieferte Tracht ist das, was man nach außen trägt, das "Zeig- und Sichtbare"! Sehr wertvoll, um sie zu schätzen und zu pflegen. Wie schaut es aber mit unserer Muttersprache aus? Mit unserem Bairisch?

 

Der Förderverein Bairische Sprache meint:

"Es ist allerhöchste Zeit! Die Verarmung und Verschandelung unserer Sprache nimmt erschreckend zu. Das Sterben unserer Mundarten hat ein bedrohliches Ausmaß erreicht. In Kindergärten und Schulen, in Rundfunk und Fernsehen, in Beruf und Freizeit wird die bairische Sprache als minderwertig eingestuft, diskriminiert und verdrängt.

 

Wir wehren uns dagegen, wir müssen uns nicht ohne Not eine andere Kultur überstülpen lassen. Wir brauchen uns der eigenen Sprache und Kultur wirklich nicht zu schämen. Wir appellieren an unsere Landsleute: Redet selbstbewußt in unserer Mundart. Ahmt in der Hochsprache (Schriftdeutsch!) nicht die nördliche Aussprache und Betonung nach, behaltet die genauso richtige süddeutsch-bairische Art!

 

Es ist die Pflicht verantwortungsvoller Politik, unsere Sprache als wesentliches Zeichen bairischer Eigenart und Kultur auch für die Zukunft zu sichern. Es ist höchste Zeit was zu tun. Eine Generation ohne bairische Sprache reicht aus, und ein tausend Jahre altes Kulturgut ist unwiederbringlich verloren!"  

Weitere Informationen:  www.fbsd.de

 

Bairisch in der Schule – ein Versuch

Übrigens einige Anmerkungen des Webmoasters:

 

Zunächst eine Vorbemerkung: Es wird immer wieder für die deutsche, regionenübergreifende Sprache die Bezeichnung HOCHDEUTSCH verwendet. Das ist schlichtweg falsch. Richtig dagegen ist hierfür die Bezeichnung SCHRIFTDEUTSCH. Unsere sprachverwandten Nachbarn, die Österreicher, Schweizer, Südtiroler, Luxemburger, Ellsässer etc. verwenden korrekt diese Bezeichnung. Die Umgangssprache, auf die sie übrigens sehr stolz sind, ist dann tirolerisch, steyrisch, weanerisch, schwyzerdütsch, allemanisch, lützelburgisch usw.

 

So weit, so schlecht! Nachstehende nur einige wichtige Merkmale und Elemente der bairischen Sprache:

 

Der Bayer geht nicht die Berge "hoch", sondern "hinauf oder nauf". Das ist auch in Schriftdeutsch falsch: Das Gegenteil von hoch ist nieder. Folgerichtig müßte man auch sagen: man geht die Berge "nieder". Ein sprachlicher Krampf, der nicht besser wird, wenn man ihn immer wiederholt.

 

Ein traditionsbewußter Bayer sagt auch nicht "Hallo!", sondern "Servus" oder "Griaß Di"! Und "Tschüss" schon gleich gar nicht. Er sagt auch nicht "Heiligabend" oder "Gold-Hochzeit", sondern "Heiliger Abend" und "Goldene Hochzeit" – so viel Zeit muss sein!

 

Und erst auf unseren Küchenzetteln und Speiskarten: Bei uns in Oberbayern gibt es halt keinen Quark (ein ekelhaftes Wort). Keine Karotten, rote Beete und Kohl, sondern den Topfen, die gelben Rüben, Ranna (auch rote Rüben) oder Kraut. Ja, auch das Rotkraut ist für den nicht farbenblinden Bayern nach wie vor ein Blaukraut. Auch der Blumenkohl ist bei uns daheim immer noch der Karfiol. Und die Pfifferlinge sind Eierschwammerl oder Reherl. Rinder- und Schweinebraten sollten gleichfalls von den Speiskarten verschwinden, sondern richtig durch Rinds- und Schweinsbraten ersetzt werden. Folgerichtig heißt es ja auch Kalbsbraten und nicht Kälberbraten. Und selbstverständlich legen wir unsere Feriengästen zum Frühstück keine "Brötchen" sondern Semmeln auf  d a s  Teller (von lat. tellarum - sächlich). Butter ist im  Bairschen wie bei den Italienern und Franzosen maskulin, d. h. also  d e r  Butter. Dieser Butter wird bei uns auch nicht aufs Brot "geschmiert" (unappetitlich) sondern gestrichen.

 

Ja, "gucken" tut ein Bayern gar nie nicht (Achtung- doppelte Verneinung, wenn was schon überhaupt gar nicht geht). Bei uns "schaugt" oder schaut man. Übrigens, die bayerische Sprache ist farbig und vielseitig wie kaum eine andre. Zu den Wörtern "schauen oder sehen" gibt es übrigens zahlreiche Varianten. Hier nur ein paar Beispiele: luren, spechten, linsen, äugen, dagneissn, dableien etc.

 

Ganz schlimm ist die Verwendung des Imperfekt: Also niemals - "ich sagte" , sondern "ich habe gesagt"! Im Bayerischen, auch im Hoch-Bayerischen gibt es für die Vergangenheit ausschließlich nur den Perfekt! Punktum - perfekt! Anmerkung: Der Webmeister vermeidet sogar im Schriftverkehr den Imperfekt.

 

Das waren ja noch Zeiten, in denen wir unser altes Glump auf den Abfallhof oder zur Grafflgrube (letztere unbeaufsichtigt!) bringen konnten. Heute entsorgen wir unsere Zivilisationsreste auf dem "Recycling-Hof".

 

Aber vielleicht sollten wir da beim nächsten Trachten-"Event" mal ein "linguistisches Meeting" machen! Vielleicht erreichen wir dann das nötige "Feedback". Ja mir ist einer in der "Dschins" (übrigens eine bayerische Erfinung -früher bei uns Stallhose genannt), der noch ein gepflegtes Bairisch spricht, tausendmal lieber als einer, der sich seiner herkömmlichen Sprachwurzeln schämt.