Für d´Weiberleut´

Bluse, Janker, Miederleiberl
Auch in diesem Jahr wollen wir den Blick auf ein bzw. mehrere Kleidungsstücke unserer historischen Tracht werfen, wie sie wohl zwischen 1810 und 1840 am Schliersee Mode waren. Als Alt-Schlierseer Trachtengruppe haben wir uns diesem wunderbaren Gwand verschrieben und stellen es hier detailliert vor. Die Beschreibung soll als stilistische Orientierung dienen, die wir soweit wie möglich historisch graphisch belegen möchten.

 

Die Ärmel
Was für ein Glück, dass wir uns um 1830 in der „Blüte des weiten Ärmels“ befinden. Besonders bei den Blusen der Damen, aber auch bei den Männerhemden, sorgen weite Ärmel per se für genügend Bewegungsfreiraum. Die luftige Fülle ist gerade auf Höhe des Oberarms zu beobachten, weshalb man im Fachjargon auch von „Keulenärmeln“ spricht.

Diese weiten Ärmel werden zum unteren Ende hin etwas schlanker und reichen der Länge nach bis leicht über den Ellenbogen. Länger waren sie nicht, die weiten Ärmel der Damenblusen. Für das letzte Stück am Unterarm bis zum Handgelenk hat man bei kälteren Temperaturen Pulswärmer getragen. Umgekehrt waren die Ärmel der Blusen aber auch nie kürzer. Herkömmliche Dirndlblusen mit kurzen Ärmeln passen deshalb nicht zu unserem historischen Gewand der Damen. Für die weiten Ärmel wird der Stoff an der Armkugel gereiht. Der Ärmel selbst setzt wiederum erst relativ niedrig an, d.h. die Schulterpartie der Bluse fällt über die Schulter drüber.

Der Ausschnitt   Ein weiteres Merkmal der Damenbluse ist der kleine Ausschnitt. Wie wir den historischen Abbildungen entnehmen können, war zusammen mit dem Flor alle blanke Haut bedeckt. Offenbar ha-ben die Damen zu jener Zeit kein Dekolleté gezeigt – warum auch immer. Der Ausschnitt selbst wird eingereiht, beispielsweise in Form von „Froschgoscherl“. Stattdessen kann aber auch eine kleine Spitze angebracht werden. Beide Arten des Abschlusses lassen die Bluse insgesamt kleidsamer erscheinen.

Machart und Material  Die Bluse wird aus feinem Leinenstoff oder aus Baumwolle gefertigt und ist weiß bzw. in einem natürlichen Weißton des Materials belassen. Im Grunde genommen handelt es sich um ein sehr einfaches Kleidungsstück, das als „Schlupfbluse“ gefertigt nicht einmal Knöpfe aufweist. Sofern sie aber auf der Vorderseite geöffnet werden kann, also einen Verschluss hat, werden einfache Perlmuttknöpfe verwendet.

Trageweise  Gerade an wärmeren Tagen wird allein die Bluse unter dem Mieder getragen. Wird es allerdings etwas kälter oder gibt es einen besonderen Anlass zu feiern, kann über der Bluse ein Miederleiberl oder Unterleiberl als wärmende bzw. festliche Ergänzung zur Bluse getragen werden.

Das Miederleiberl
Farbiger und mitunter edler als die Bluse ist das darüber liegende Miederleiberl. Es hat typischer Weise keine Ärmel und ist auf der Vorderseite geknöpft. Hier dürfen die Knöpfe stilvoll auffallen. Der wiederum kleine Ausschnitt kann mit einer kleinen Spitze eingefasst sein bzw. lässt den Ausschnitt der Bluse durchblicken. Je nachdem, ob es festlich oder eher wärmende Funktion hat, werden Miederleiberl aus Seiden- oder Baumwollstoff gefertigt. Wir wissen, dass Leiberl zum Teil auch wattiert worden sind, etwa mit feinem Flachsgewebe.

Der Seidenjanker  Die festlichste Variante der Bluse ist allerdings der so genannte Seidenjanker. Es handelt sich um eine farbige und gefütterte Blusenform mit langen Ärmeln aus Seide oder Baumwollstoff, die wie Bluse und Miederleiberl unter dem Mieder getragen wird. Der Rumpf entspricht in seiner Machart ganz der des Leiberls. Die Ärmel allerdings können entweder analog zur Bluse bis leicht über den Ellenbogen reichen oder tatsächlich bis vor zum Handgelenk. Und natürlich sind sie am Oberarm weit geschnitten und laufen zum Unterarm hin schmal zu. Das Bündchen am Ärmelende kann mit Spitze oder Borte versehen sein. Eine Manschette gibt es beim Janker der Damen nicht, wenngleich einige kleine Knöpfe die Möglichkeit zum Umschlagen andeuten können.

Historisch eingeladen  Die Vorstandschaft bittet die Damen, die Hinweise zu Bluse, Janker und Miederleiberl zu beherzigen. So erzielen wir ein möglichst authentisches und stimmiges Auftreten unserer Alt-Schlierseer Trachtengruppe, wenn wir zu einem Fest „historisch eingeladen“ sind. Bei Fragen stehen die Autoren gerne zur Verfügung.
Autoren: Vroni Maier und Korbinian Leitner