"Unsre Strümpf"

Strümpfe und Stutzn

Sie gehören einfach dazu, die Strümpfe und Stutzn, weil wollig dicke Wadl schee waren. Manch einer soll seine Wadl – unterm Strumpf – sogar gewickelt haben, um noch dickere Wadl zu zeigen und dem Schönheitsideal besagter Zeit gerecht zu werden. Strümpfe gab es zweierlei: Einen ganzen „Strumpf mit Fuß“, so wie man es von den üblichen Trachtenstrümpfen her kennt und den so genannten „Stutzn“, einen „Strumpf ohne Fuß“. Der übliche Strumpf ist also um den Fuß „gestutzt“. Gerade in den Sommermonaten hat man überwiegend die Stutzn getragen und ist damit im Alltag barfuss gelaufen. Wie sie ausschauen, die Strümpfe und die Stutzn, wird im Folgenden beschrieben.

 

Vom Knie bis zum Knöchel

Die Strümpfe und Stutzen sind bei den Frauen und Männern, Dirndln und Buam relativ ähnlich. Die Stutzn reichen vom Knie bis zum Knöchel und bedecken den gesamten Unterschenkel. Die Stutzen sollen deshalb ausreichend lang sein. Kurze „Wadlstrümpf“ kommen erst später in Mode

 

Glatt Gestrickt Die Stutzn sind durchweg glatt gestrickt. Man beginnt oben mit einem relativ breiten Bünderl und einer Reihe „Lochmuster“, in das später die Kordel eingezogen wird. Mit der Kordel wird verhindert, dass der Strumpf bzw. Stutzn am Unterschenkel herunter rutscht. Die Kordel kann am Ende auch kleine Quasten haben. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, das Bünderl als Umschlag zu stricken.

Zur Fessel hin werden etwa 7-8 cm so genannter Querrippen gestrickt, die den Stutzen nach unten abschließen.

Der Stutzn wird grundsätzlich auf rechts gestrickt, dann aber auf links gedreht und auf dieser linken (Außen-) Seite das Muster aufgenäht. Gehäkelte Luftmaschen ergeben eine einfache Schnur, mit der das Muster gelegt und aufgenäht wird. Zumeist sind es schneckenförmige oder runde Motive, siehe Abbildung.

 

Farben

Zur historischen Festtagstracht dazu gehören Strümpfe und Stutzn aus natur-weißer Schafwolle. Die Verzierung kann mit brauner oder hellgrüner Schafwolle gefertigt sein. Wolle zu färben war auch zur damaligen Zeit möglich. Deshalb tauchen überraschender Weise auch vollständig blaue Strümpfe auf. Hier hatte man Farbstoffe aus dem Blaudruckverfahren verwendet. Schnee-weiße Strümpfe passen dagegen nicht zur historischen Tracht. Noch ein Hinweis zur Wolldicke: Für die Frauenstrümpfe wird eine etwas feiner gesponnene Wolle verwendet.

 

Feste feiern

Trotz „Strümpfen ohne Fuß“ – den Stutzn – ist man auf Hochzeiten, Feste und in die Kirche niemals barfuss gegangen, sondern immer mit Schuhen. Ob Frau oder Mann, man ist direkt barfuss in die Schuh. Für die kalte Jahreszeit hat man die Stutzen um kurze, aus derselben Wolle gestrickte Socken ergänzt oder eben (ganze) Strümpfe getragen. Und obwohl es auch vor 200 Jahren im Sommer heiße Tage gegeben hat, finden wir auf keiner einzigen historischen Abbildung Personen gänzlich ohne Strümpfe und Stutzn oder Burschen mit heruntergezogenen Strümpfen. Das schaut für manche heutzutage vielleicht lässig aus, zur historischen Tracht passt es aber nicht.

(Text: Korbinian Leitner)